Kartenzahlung: Darum zahlen wir mal mit Unterschrift, mal mit PIN

Das Verfahren kann von Einkauf zu Einkauf unterschiedlich sein

Neulich an der Supermarktkasse: Die Kundin bezahlt ihren Einkauf mit der Girocard, besser bekannt als EC-Karte, will gerade die PIN-Nummer ins Kartengerät eingeben, wie schon so viele Male vorher, doch das Gerät will neuerdings eine Unterschrift. Warum ist das so? Wann will der Händler eine PIN und wann eine Unterschrift? Fragen und Antworten:

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen PIN und Unterschrift?
Wenn Sie Ihre PIN eingeben, erfolgt die Zahlung des Betrages im „Electronic-Cash“-Verfahren, das Konto wird also direkt belastet. Für den Händler bedeutet das eine Zahlungsgarantie. Wer unterschreibt, stimmt dagegen dem elektronischen Lastschriftverfahren zu. Das heißt, die Unterschrift erlaubt dem Händler, den fälligen Betrag vom Konto abzubuchen. Ob dieses gedeckt ist, wird in dem Moment nicht geprüft.

Für den Händler ist das PIN-Verfahren „sicherer, aber auch teurer“, erklärt Horst Rüter, beim EHI Retail Institute in Köln zuständig für Zahlungssysteme. Denn für jede EC-Kartenzahlung, die mit der Eingabe der PIN beendet wird, wird eine Autorisierungsgebühr an die Deutsche Kreditwirtschaft fällig, sagt Rüter. Diese Gebühr liegt mittlerweile bei durchschnittlich 0,185 Prozent des Betrags, früher waren es 0,3 Prozent.

Beim Verfahren mit der Unterschrift gibt es den Haken, dass das Konto des Kunden möglicherweise nicht gedeckt ist. Doch auch für diesen Fall leistet der Kunde seine Unterschrift. Er stimmt mit ihr nicht nur dem Lastschriftverfahren zu, sondern unter anderem auch der Abwicklung einer Rücklastschrift. Ist das Konto nicht gedeckt, bucht die Bank die Lastschrift des Händlers zurück. Sie darf dann auch die Adresse an den Händler weitergeben, der den Betrag anmahnen kann.

Wer entscheidet, welcher Kunde unterschreibt und welcher die PIN eingibt?
Dahinter stecke weitestgehend ein Zufallssystem, sagt Rüter. Theoretisch möglich sei es, bei jeder fünften Transaktion nach der PIN zu fragen. Das Kassenpersonal habe dagegen in der Regel nichts damit zu tun und auch der einzelne Kunde habe keinen Einfluss darauf, welche Variante beim Bezahlen gewählt wird.

Geht’s beim kontaktlosen Bezahlen schneller?
Ja, aber nicht immer. Beim kontaktlosen Bezahlen muss der Kunde nur seine mit der Kontaktlosfunktion ausgestattete Girocard an das Gerät halten. In der Regel funktioniert die Bezahlung für den Händler über das Lastschriftverfahren, aber ohne Unterschrift. Bei Beträgen unter 25 Euro ist in der Regel nicht einmal die Eingabe der PIN nötig. Manchmal ist aber aus Sicherheitsgründen auch bei diesen kleinen Beträgen eine PIN-Eingabe erforderlich. Bei Beträgen über 25 Euro muss der Kunde immer die PIN eingeben. Für den Händler kann entscheidend sein, dass das Verfahren schneller ist.

Wie verbreitet ist das kontaktlose Bezahlen?
Eine EHI-Studie, für die mittelständische und große Händler zur Einführung des kontaktlosen Bezahlens befragt wurden, kam zu folgenden Ergebnissen: Kontaktloses Bezahlen wird Ende 2018 von mindestens 77,7 Prozent der großen Händler angeboten, aber nur von 27,7 Prozent der Mittelständler. Nach Angaben des Handelsverbandes Nordrhein-Westfalen sei vielen Menschen das kontaktlose Bezahlen noch nicht so geläufig. „Man darf jedoch erwarten, dass sich dies mit steigendem Angebot von Banken und Handel schnell ändert“, sagt eine Sprecherin. Für NRW erwarte der Verband, dass die Zahl jener, die die kontaktlose Variante nutzen, steige. „Das kontaktlose Zahlen ist schneller, einfacher, bequemer und hygienischer.“

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